Love Letters from U-85 – (Article in German)

 

Today marks the 84th anniversary of the sinking of the German submarine U-85 off North Carolina.

I have written the following article, in German, to support the German War Graves Commission’s efforts to ensure the protection and respectful treatment of graves at sea.

I have withheld names of seamen in the letters out of respect for surviving relatives.

Liebesbriefe aus U 85

Ein deutsches U-Boot fährt bei Sturm im Atlantik.

In der Nacht von 14. April 1942 wurde ein deutsches U-Boot vor der Küste des US-Bundestaates North Carolina versenkt. Dies war U 85. Der letzte Kampf des U-Bootes mit dem amerikanischen Kriegsschiff USS Roper endete in einem Gebiet vor der Ostküste der USA, das bis noch heute den Namen „Torpedo Alley“ trägt. Diese Meeresregion ist bekannt für die vielen hitzigen Seeschlachten, die dort während des Zweiten Weltkriegs stattfanden.

Die Geschichte von U 85 ist nicht unbekannt. Es war das erste U-Boot, das im Zweiten Weltkrieg von einem Kriegsschiff der US Navy versenkt wurde. Einzelheiten zu Reisen und Reparaturen sind gründlich dokumentiert. Das Boot wird aber als militärisches Element im weiteren Kontext des Krieges betrachtet. Das reicht aber nicht aus. In Diskussionen über den Seekrieg liegt der Fokus zu oft kurzsichtig auf den Schiffen selbst. Wir hören zu oft von „Booten“ und „Wracks.“ Die Ergebnisse von Seeschlachten werden zur Anzahl der versenkten Schiffe reduziert. Der Seekrieg ist auf diese Weise entpersönlicht worden, und Boote sind oft in der Öffentlichkeit nur für historischen Objekten gehalten.

Aus genau diesem Grund konzentriert sich dieser Artikel auf das, was in der bekannten Geschichte von U 85 fehlt. Dies ist die menschliche Existenz auf dem Boot – die jungen Männer, die ihr Leben verloren haben, und ihre Lieben. Dies ist das Herz des U-Boots, das heute noch existiert.

Das Auftauchen der Briefe

Ein Liebesgedicht an einen Matrosen vom Wrack von U 85.

Mehr als 80 Jahre nach der Versenkung tauchte U 85 auf in meinen Forschungsarbeiten als Historiker. Der Fund kam unvorhergesehen. Plötzlich fielen meine Augen auf die persönlichen Papiere der deutschen Matrosen, die nach dem Schiffsuntergang von der US Navy geborgen worden waren.

Dies sind persönliche Briefe von Angehörigen und Geliebten aus Deutschland.

Ein Onkel schrieb an seinen Neffen, und ein Cousin erzählte von seinen Kriegserlebnissen und Hoffnungen für die Zukunft: “Ich selbst habe noch nicht viel gesehen. Das U-Bootsabzeichen hast auch schon, habe ich gehört. Gratuliere! Hoffentlich sehen wir uns mal gesund der Heimat wieder.”

Mädchen schrieben an die Matrosen, die sie liebten.

Meine Gedanken waren wieder den ganzen Tag bei dir,” schrieb eine junge Frau. “Ich werde dich nie vergessen. Meine Gedanken werden stets bei dir sein. Ganz innig und fest werde ich an mein geliebtes Häschen denken… Auf frohes Wiedersehen grüßt und küßt dich hunderttausendmal dein and dich stets in Liebe denkendes Schäfchen!”

Unter den Papieren befand sich auch ein langes Liebesgedicht. Die blaue Tinte rann wie Tränen im Meerwasser während der letzten Momente des Seemanns. Nun fehlen einige Wörter. Eine Passage lautet in Bruchstücken:

“Die Romantik der Umwelt versucht uns zuzusprechen,

Auch sei kann unsere Herzen nicht mehr brechen,

Wir lassen von … einander den das kurze uns raubten,

Wir … zusammen, das ist unserer Glauben.”

Die Kriegsschäden haben das Aussehen dieser schönen deutschen Grüße beschädigt. Das kalte Wasser des Meeres hatte die Küssen und guten Wünschen verschwommen gemacht. Stücke waren abgerissen worden. Süße Worte, die niemand sehen sollte, waren durchnässt. Diese Briefe tragen Narben—ebenso die Menschen, die sie verfasst haben. Sie sahen die Männer, die sie liebten, nie wieder.

Mir war es herzzerreißend, diese Briefe anzuschauen. Es hat mich zutiefst berührt. Ich empfand es auch als ein Wunder, dass diese Briefe trotz langem Aufenthalt im Wasser und Kriegsschäden großenteils intakt und lesbar geborgen waren. Laut Berichten der US Navy wurden sie erst viele Stunden nach der Versenkung geborgen.

Die Versenkung

U 85 wurde von Wasserbomben getroffen. Es war daher unmöglich, die Seeleute zu retten – anders als im Fall von U 352.

Neben den Briefen gab es Kartenspiele, Tagebücher und andere persönliche Dokumente. Sie zeigen den Alltag von etwa 45 Seeleuten. Die Matrosen waren größtenteils zwischen 20 und 30 Jahre alt. Einige waren im Alter zwischen 17 und 19 Jahren.

Keiner der Matrosen kehrte wieder zur Heimat zurück. Das U-Boot wurde mitten in der Nacht von der USS Roper, einem Zerstörer, entdeckt. Es entbrannte ein heftiger Kampf.

Bei solchen Schlachten war das Meer selbst gefährlich. Die Dunkelheit, die Explosionen von Wasserbomben, und sogar das Wetter könnte die Rettung von Überlebenden erschweren.

Es gab später glückliche Fälle, in denen deutsche Seeleute von der US Navy und der US Coast Guard gerettet wurden. Am 8 Mai 1942 zum Beispiel hat der US Coast Guard 33 deutsche Matrosen von U 352 gerettet.

Diese Männer waren die ersten Kriegsgefangenen, die die USA im Zweiten Weltkrieg nahmen. Nach einem Kampf mit dem Küstenwachenschiff Icarus vor der Küste von North Carolinawurde das U-Boot versenkt. Kurz darauf brachten die Amerikaner die Überlebenden an Bord der Icarus. Die deutschen Seeleute zitterten und litten unter Schock. Die Amerikaner verteilten Badetücher, heißen Kaffee, Essen und warme Kleidung an die Deutschen.

Die Bedingungen bei der Versenkung von U 85 einen Monat zuvor waren jedoch anders. Laut Berichten der USS Roper waren die Bedingungen in jener Nacht zu gefährlich, sodass eine Rettung der Überlebenden nicht möglich war. Das Kriegsschiff kehrte am nächsten Morgen an den Ort zurück. Sie fanden 29 Seeleute, die ums Leben gekommen waren.

Eine würdevolle Bestattung

Die Matrosen erhielten dank der US Navy ein würdiges Begräbnis. Auf dem Foto unten sind die US-Offiziere bei der Arbeit an der Identifizierung der Gefallenen.

Die US Navy behandelte die Gefallenen mit größtem Respekt. Die Amerikaner fuhren in kleinen Booten hinaus, um die Gefallenen zu bergen. Die Verantwortlichen der US Navy unternahmen gründliche Anstrengungen, die Identität derjenigen festzustellen. Sie sorgten auch für eine würdevolle Bestattung.

Am 15. April 1942 wurde die 29 Toten von U 85 mit vollen militärischen Ehren auf dem Hampton National Cemetery in Virginia beigesetzt. Dieser Friedhof ist seit langem eine Ruhestätte für amerikanische Militärangehörige. Die Deutschen wurden in Särgen beigesetzt, die von der US Veterans Administration angefertigt worden waren. Deshalb fanden sie ihre letzte Ruhe in denselben Särgen wie amerikanischen Soldaten und Matrosen. Bei der Trauerfeier waren sowohl katholische als auch protestantische Geistliche anwesend, um für die Verstorbenen zu beten.

Aus militärischen Gründen musste die US Navy alle geborgenen Dokumente analysieren. Dies umfasste auch die persönlichen Briefe. Da diese Papiere nichts mit militärischen Angelegenheiten zu tun hatten, wurden sie während des Krieges abgelegt und gerieten in Vergessenheit.

Gegen das Vergessen

Ein Foto der Männer von U-85, das aus dem Schiff geborgen wurde.

So viele Jahre später sprechen die Stimmen in diesen Briefen noch zu uns allen. Sie erzählen uns, dass diese Seeleute liebten und geliebt wurden. Ihre Lieben dachten aus Tausenden von Kilometern Entfernung an sie. Auch in ihren letzten Lebensmomenten trugen die Männer diese liebevollen Schriften bei sich. Und entgegen aller Wahrscheinlichkeit waren diese Briefe unsinkbar. Man sagt oft, die Liebe sei unsterblich. Diese Briefe sind Beweis dafür. Sie sprechen auch heute noch zu uns, um uns daran zu erinnern, dass hinter jedem gesunkenen Schiff ein hoher menschlicher Preis steht.

Das U 85 ist nur eines von vielen Schiffen verschiedener Nationen, die im Zweiten Weltkrieg versenkt wurden. Weltweit heute werden gesunkene Schiffe als Objekte und Touristenattraktionen betrachtet. Aber im Seekrieg geht es nicht um das Versenken lebloser Schiffe. An Bord dieser Schiffe befanden sich menschliche Seelen, die wir nicht vergessen dürfen.